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Text und Fotos: E. Holin


Die "Brecon Beacons" zwischen Crickhowell und Brecon

Seit 1987 besuchen wir regelmäßig die Royal Welsh Agricultural Show. Neben den obligatorischen Gestütsbesuchen besonders in Süd- und Mittel-Wales versuchen wir trotz des engen Zeitrahmens immer wieder historische Städte, beeindruckende Castles und Museen zu besichtigen, um neben den Welsh-Ponys und -Cobs auch die walisische Geschichte und die schöne walisische Landschaft zu erleben. In diesem Jahr hatten wir im Hotel Ty Croeso, nur rd. 1 km von Crickhowell entfernt, Quartier bezogen, für den Besuch der Royal Welsh sicher nicht der ideale Standort, lag er doch rd. 40 km südlich von Builth Wells entfernt. Gleich am Montag, dem ersten Tag der Schau, hatte uns kurz vor Builth in Erwood ein ärgerlicher Verkehrsstau zu Geduld und zum Nachdenken gezwungen. Um dem Stau zu entgehen, nahmen wir deshalb an den Folgetagen zur Anreise die Nebenstrecke (B4520) von Brecon über Lower - und Upper Chapel, eine gelungene Alternative.


Blick über Crickhowell

Unser Hotel, ein altes Steingebäude (Victorian workhouse) aus den Anfängen des 19.Jahrhunderts, lag auf halber Höhe eines Steilhangs, der nur im ersten Gang zu bewältigen war. Von dort hatte man einen herrlichen Blick über die 2000 Einwohner zählende Gemeinde Crickhowell hinweg auf die gegenüberliegenden Black Mountains. Unmittelbar vor dem Hotel mussten wir eine kleine Brücke passieren, von der man nur einen "kurzen" Blick auf einen Fluss oder Kanal werfen konnte, denn die Aufmerksamkeit gehörte dem Steilhang und dem möglichen Gegenverkehr.


Schöne Aussicht vom Hotel nach Nord-Osten

Am folgenden Morgen machte ich mich vor dem Frühstück auf den kurzen Weg, um die Wasserstraße aus der Nähe zu betrachten. Ich überquerte die Brücke und sah von dort drei lange Wohnboote in kurzem Abstand hintereinander vor Anker liegen. Die Besatzungen hatten hier die Nacht verbracht. Ich wanderte an den Booten entlang auf einem bestens angelegten Trailpfad jeweils bis zur nächsten Biegung in beide Richtungen und fand eine ungemein idyllische Kanallandschaft, die ich in diesem bergigen Gelände nicht erwartet hatte. Knorrige Bäume bildeten von beiden Seiten ein dichtes Dach, und darunter schlängelte sich in tiefer Ruhe das braungefärbte Gewässer eines Kanals. Seit der Beschäftigung mit dem walisischen Bergbau und den walisischen "Pit Ponies" war mir bekannt, dass der frühere Kohle- und Erztransport aus den nördlichen Kohletälern zur Küste, insbesondere nach Cardiff, sowohl über Eisenbahnstrecken als auch über ein Kanalsystem erfolgte. Hatte ich hier ein Stück dieses Kanalsystems gefunden?


Idylle am Kanal in morgendlicher Stille

Diese Brücke überquerten wir jeden Tag
Diese Brücke überquerten wir jeden Tag

Nach der Rückkehr ins Hotel besorgte der Hotelmanager gleich notwendiges Infomaterial, und in der Tat, vor unserer Hoteltür führte der Brecon & Abergavenny Canal vorbei, ein Abschnitt des Monmouthshire & Brecon Canals, der von Brecon nach Süden über Pontypool, der alten Kohle- und Erzstadt, bis zur Küste nach Newport führt. Diese Wasserstraße wurde zwischen 1796 und 1812 erbaut. In seiner Blütezeit in den 20er Jahren des 18.Jahrhunderts wurden auf dem Kanal über 30.000 Tonnen Kohle, 30.000 Tonnen Eisen und 12.000 Tonnen Kalk u. Kalkgestein transportiert (für Schmelzöfen, Landwirtschaft und Häuserbau), außerdem landwirtschaftliche Produkte für die Versorgung der Minenarbeiter und der Bevölkerung der größeren südlicher gelegenen Gemeinden. Neben dem Kanal zieht sich auf der den Bergen gegenüberliegenden Kanalseite die "horse-drawn tramroad" hin, auf der sich heute wunderbar spazieren lässt.

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