Anfang August dieses Jahres besuchte ich auf Einladung der WPCS Dänemark die dänische Hengstkörung und Welsh-Schau in Dorthealyst auf Seeland. Mein Weg führte auf der Vogelfluglinie über Puttgarden und Lolland in den Norden der Insel. Vor Fehmarn passierte ich die Gemeinde Damlos, ein willkommener Grund, um das Welsh-Gestüt "Arvalon" zu besuchen. Nach freundlicher Aufnahme ging es entsprechend meiner Wünsche über die acht Hektar große Wiese mit den Cob- und C-Stuten auch zur Welsh-A-Stuten-Herde und durch die Hengstställe. Ich danke Frau Hahn für die zahlreichen Informationen und Hinweise. eho


Ein Teil der großen Welsh-Cob-Stutenherde auf Arvalon
Ein neuer Stern
am deutschen Welsh-Himmel

Arvalon, das größte Welsh-Gestüt Deutschlands

Text und Fotos von Eberhard Holin

Welsh-Cob-Stuten, auf Arvalon wird "Farbzucht" betrieben

In der Gemeinde Damlos, knapp 4 Kilometer entfernt von der Abfahrt Nr.12 der BA1, kurz vor der Insel Fehmarn, liegt das Welsh-Gestüt „Arvalon“. Seit 2000 züchten hier Heidi und
Ingo Hahn Welsh-A-, Welsh-C-Ponys und Welsh-Cobs. Inzwischen hat sich „Arvalon“ zur größten deutschen Welsh-Zuchtstätte entwickelt. Der aktuelle Gestütsbestand beträgt
rd. 100 Welsh-Hengste und -Stuten.

Zur Geschichte
Von Jugend an hatte Heidi Hahn die Idee, Pferde zu züchten. Nach einer Ausbildung zur Büro- und Personalfachfrau und entsprechendem beruflichen Einsatz züchtete sie von 1986-1996 auf eigenem Hof und Gelände Vollblutpferde für den Rennsport.

Aber bereits in den 70er Jahren war es zu einer folgeschweren Begegnung mit dem Dunkelpalomino Trefaes Cream Boy (Trefaes Bach x Trefaes Honey), D x A, 144 cm, gekommen, von der Abstammung her ein Welsh-C. Dieser Hengst, geb. 1970, war 1975 von Bernd Boedecker auf dem Llanarth Sale ersteigert und nach Schleswig-Holstein importiert worden. Dort stand er 24 Jahre im Zuchteinsatz bei Bernd Boedecker, Regine Scheil und Erich Müller. Er hat 70 registrierte Nachkommen, darunter 20 Palominos, Dunkelfüchse, Füchse mit silbrigem Langhaar, aber auch Rappen, Braune, Falben u. Schimmel. Seine letzte reingezogene Tochter Revi Summerrain (Trefaes Cream Boy x Moorcock Zany(A) steht als Welsh-C-Stammstute auf Arvalon. Bernd Boedecker hat auch Cefn Lyn, einen der letzten Abkömmlinge des Hengstes Lyn Cwmcoed importiert, ebenfalls ein Dunkelpalomino, zur Zeit ebenfalls als Deckhengst auf dem Gestüt. Er war Körungssieger 1995 in Neumünster und 3/30 bei der HLP(Fahren) in Redefin 1995.

Ursprünglich wurde auf dem väterlichen Hof von Ingo Hahn Milchviehhaltung betrieben.
2000 erfolgte der Umstieg auf die Welsh-Pony- und –Cob-Zucht. Seitdem folgten zahlreiche Informationsreisen nach Wales und Besuche der bekannten Welsh-Gestüte Derwen, Nebo, Pantanamlwg, Fronarth, Parc, Geler, Synod, Menai, Trefaes, Tremymor usw. Außerdem zählt Heidi Hahn regelmäßig zu den aufmerksamen Besuchern des bekannten Welsh-Cob-Sales in Builth Wells, und auch auf gestütseigenen „Reduction Sales“ ist sie häufig zu finden, um den walisischen Markt zu beobachten und die entsprechenden Trends persönlich zu erleben.
Beste Kontakte bestehen zu Geraint und Owen Jones vom Nebo-Gestüt, die weltweit mit ihren Welsh-Cs und Welsh-Cobs einen herausragenden Ruf besitzen.

Zuchtziel
Auf der Basis alter walisischer Blutlinien typvolle Welsh-As, Welsh-Cs und Welsh-Cobs züchten mit viel „Movement, Action, Bone and Ponyhead“ und gutem Charakter.

Arvalon fühlt sich dem alten walisischen „true Welsh type“ verpflichtet. Daher kommen für die Zucht ausschließlich Direkt-Importe bekannter walisischer Hengste und direkter Töchter von so bekannten Vererbern wie Nebo Daniel, Nebo Celebration, Parc Welsh Flyer, Horeb Euros, Ebbw Victor oder Ceredigion Tywysog infrage. Deshalb sind rd. 90% des derzeitigen Bestandes direkt aus Wales importiert, obwohl inzwischen zunehmend auch die auf Arvalon gezüchtete Nachkommenschaft an Bedeutung gewinnt.

Farbzucht unübersehbar
Häufig stößt man in den Werbeanzeigen des Gestüts auf seinen Werbeslogan:

Zwei Goldpalomino-Fohlen mit ihren Müttern

„Wir sind das besondere Welsh-Cob-Gestüt im Norden und bringen Farbe in die Zucht.“
Diese Feststellung gilt für alle drei Welsh-Sektionen. „Mein Faible gilt der Farb-Zucht mit ihren besonderen Reizen, dafür ist die Begegnung mit Trefaes Cream Boy verantwortlich. Man muss aber darauf achten, dass im Zuge der Farbzucht keine Zuchtprodukte entstehen, die bei intensiver Sonneneinwirkung Haut- bzw. Augenprobleme bekommen,“ erklärt Züchterin Heidi Hahn.

Auch bei der Betrachtung des Fohlenjahrgangs 2005 fällt auf, dass neben Füchsen und Rappen gehäuft weitere Farbvarianten auftauchen wie Palominos (aufgehellte Füchse), Falben (aufgehellte Braune), Goldfalben und die recht seltenen Cremellos (doppelt aufgehellte Füchse) und Perlinos (doppelt aufgehellte Braune).

Die einzelnen Sektionen
Welsh-D
9 Hengste, darunter Nebo Hywel (Nebo Brenin x Tewgoed Mari), der Gewinner des George Prince of Wales Perpetual Cups von 1994, sowie Nebo General Pride, geb.2001, einer der letzten Söhne des verstorbenen Stempelhengstes Nebo Daniel und liniengezogen auf die Gründerstute Tyngwndwn Mathrafal Lady.
Außerdem Trefaes Brenin Du, geb.1989, ein Sohn des bekannten Cyttir Telynor aus der Trefaes Bessie, beides Royal Welsh-Gewinner. Trefaes Brenin Du war Sieger der Körung in Ermelo 2000. Er war lange in Wales im Deckeinsatz und seine Enkeltochter Fronarth Telynores Goch, geb.2005, wurde vor wenigen Tagen auf dem Royal Welsh Cob Sale in Builth Wells als teuerstes Fohlen für umgerechnet 18.000 Euro verkauft.
Als besonders erfolgreicher Farbvererber für die Palominozucht hat sich der Welsh-Cob-Hengst Cwmmaddoc Apollo v. Derwen Arthur, geb.1982, Goldpalomino, bewährt.

Bei den Hengsten finden sich folgende Farben:
3 Füchse, 2 Braune, 2 Palominos, 1 Schwarzbrauner und 1 Rappe. Die rd.35 Stuten haben bekannte Vererber zum Vater, wie Nebo Daniel usw., siehe oben. Alle Farben sind vertreten, Füchse, Braune, Falben, Rappen, Cremellos, Dunkelfüchse, Dunkelbraune usw. Unter den 23 Fohlen aus 2005 finden sich Cremellos, Palominos, Goldpalominos, Goldfalben, Silbercreame-Palomino und 4 Rappen.

Welsh-C
5 Welsh-Hengste im Cobtype(C), davon die drei Palominos Arthen Madog, geb.1994, Cefyn Lyn, geb.1987, Carless Nimrod, geb.2001, außerdem der braune Nebo Jester, geb.1985, von Nebo Brenin-Coed Coch Swta(A) und der Rappe Synod King Cole, geb.1994, von Trevallion Harry-Synod Dafydd.
Nebo Crackerjack, geb. 2004, Dunkelfuchs von Nebo Bouncer ist vor wenigen Tagen hinzugekommen.

Von den 7 C-Stuten sind 3 Dunkelfüchse, 1 braun, 1 Fuchs/Roan, 1 Rappe und 1 Palomino. Zwei haben Menai Rancher zum Vater, 2 Nebo Daniel, 1 Ilar Sion ap Daniel und 1 Ashgrove Crackerjack. Alle C-Stuten haben erfolgreich gefohlt.


Bunte Welsh-A-Stutenherde
Welsh-A
Zur Zeit 9 Hengste (5 Braune, 2 Schimmel, 1 Palomino, 1 Fuchs), darunter u.a. Synod Birthday Boy, geb.1991, braun, von Brierwood Rocket, den sein früherer Besitzer Dr.Wynne Davies, gern zurückkaufen möchte, und Revel Jakob, geb.1995, braun, sowie Revel Justy, geb.1993, und Revel Suede, geb.2000, beide Schimmel, alle väterlicher- u. mütterlicherseits Revel-gezogen, sowie Fronbach Back to Basics, geb.1994, Fuchs, auf beiden Seiten Synod-Blut, usw.
Die letzte Neuerwerbung ist ein aus Wales importiertes Hengstfohlen aus 2005, ein zukünftiger Deckhengst, der letzte Sohn von Penual Mark.

Unter den 11 Stuten finden sich 3 Füchse, 3 Falben, 3 Palominos, 1 Braune, 1 Braun/Roan. Von den 7 in 2005 auf Arvalon stehenden Stuten haben alle erfolgreich gefohlt. Die Stuten sind u.a. Töchter bekannter walisischer Vererber wie Penual Mark, Revel Jeeves und Revel Torc. Bei den Fohlen finden sich folgende Farben: 2 Braune, 1 Roan/Fuchs, 2 Goldfalben und 1 Palomino und 1 Goldpalomino.


Pennlyn Prudence (A)
mit ihrem Palomino-Stutfohlen


Bradeney Cathy (A)
mit ihrem Falbfohlen Little Cathy

Die auf Arvalon stehenden Hengste sind entweder im H1 oder H2 bei deutschen Zuchtverbänden eingetragen, außerdem im Mutterstutbuch der Welsh Pony and Cob Society (WPCS). Die aus Wales importierten Hengste besitzen auch die englische Decklizenz mit DNA-Test.

 
Weitere Informationen
www.arvalon.de


Kleine Statistik

Durch die Aktivitäten des Holsteiner Verbandes kamen im Jahr 1964 die ersten Welsh-A-Ponys nach Schleswig-Holstein. Es folgten die übrigen Welsh-Sektionen. In den 70er Jahren importierten neben anderen Züchtern immerwieder Karl-Heinz Buhmann, Gettorf, und Bernd Boedecker, Heilshoop, Welsh-Ponys und –Cobs sowohl über Holland als auch direkt aus Wales.

Zuchtverband Schleswig-Holstein / Hamburg
Welsh-A Welsh-B Welsh-C Welsh-D
Stu/He Stu/He Stu/He Stu/He
27/6 69/15 18/1 63/19
BRD 478 /122 726/161 126/26 485/98
Stand: Dezember 2004 Quelle: Angaben der FN